Stereotype

Stereotype verdichten Informationen, die wir über soziale Gruppen haben und vereinfachen in vielen Kontexten unsere Wahrnehmung, unser Denken und Handeln.

Es gibt allerdings auch Kontexte, in denen Stereotype problematisch sind, z. B. wenn sie zu Vorurteilen werden oder wenn sie Studien- und Berufsentscheidungen negativ beeinflussen. Meine Forschung untersucht beispielsweise, wie eine fehlende Passung (z. B. ich nehme als Frau einen Beruf als „männlich“ wahr oder als Mann einen Beruf als „weiblich“) dazu beiträgt, dass Menschen bestimmte Berufe gar nicht erst anstreben oder ein begonnenes Studium abbrechen.

Forschungsfragen

  • Welche Auswirkungen hat eine fehlende Passung (Diskrepanz zwischen Selbstwahrnehmung und Wahrnehmung des Berufs) auf Karriereentscheidungen?
  • Welche Interventionen können einem wahrgenommenen Mangel an Passung entgegenwirken?
  • Welche Rolle spielen Stereotype bereits in der Schulzeit?
  • Welche Rolle spielen Stereotype im organisationalen Kontext?
KI-generiert

Forschungsprojekt

Das Projekt „Die Macht der Stereotype – Ungenutzte Potentiale für Frauen in der Philosophie aufdecken und fördern“ wurde von 2022 bis 2025 im Rahmen des Verbundprojekts „Bildersturm: Frauen in der Philosophie sichtbar machen und neue Vorbilder etablieren“ vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert.

Das Projekt untersuchte, wie stereotype Vorstellungen über Philosophie und Philosophen die Wahrnehmung von Passung beeinflussen und damit Studien- und Karriereentscheidungen prägen können.

Ausgewählte Publikationen

„Kalte Philosophen“: Die wahrgenommene fehlende Passung von Studentinnen zu stereotypen Berufsvorstellungen steht im Zusammenhang mit ihrer Unterrepräsentation.
Leopold, Köller & Renger (2025a)

Dieser Artikel untersucht psychologische Faktoren, die zur Unterrepräsentation von Frauen in der Philosophie beitragen. Unsere empirischen Studien zeigten, dass Menschen dazu neigen, an Männer zu denken, wenn sie gebeten werden, Philosophen zu nennen und auch allgemein Philosophen eher als männlich denn als weiblich wahrgenommen werden. Diese Stereotypisierung findet sich auch bei Philosophiestudierenden, wobei Studentinnen eine höhere wahrgenommene fehlende Passung zeigten als Studenten (d. h. sie nahmen sich selbst als gemeinschaftlicher und sozialer wahr als den typischen Philosophen). Hinsichtlich eigener Kompetenz nahmen sich sowohl Studentinnen als auch Studenten als passend kompetent für die Philosophie wahr. Die wahrgenommene fehlende Passung hinsichtlich gemeinschaftlicher Attribute führte zu einer geringeren Absicht, das Philosophiestudium fortzusetzen und einer erhöhten Absicht, es abzubrechen. Die Ergebnisse bestätigen frühere Erkenntnisse zu geschlechtsspezifischen Stereotypen und unterstreichen die besondere Rolle der gemeinschaftlichen Attribute bei der Gestaltung von Karriereentscheidungen.

Das „Lack-of-Fit“-Modell in der Schule: Wahrgenommene fehlende Passung bei Mädchen und ihre Folgen in einer männlich stereotypisierten Disziplin.
Leopold, Schulz, Burkard, Köller & Renger (2025b).

Aufgrund der „leaky pipeline“, d. h. des kontinuierlichen Rückgangs der Zahl von Frauen im Laufe der akademischen Laufbahn, sind Frauen in vielen akademischen Disziplinen wie MINT und Philosophie nach wie vor unterrepräsentiert. Vorherige Forschung zeigte, dass Frauen in männlich stereotypisierten Disziplinen eine fehlende Passung zwischen ihrer Selbstwahrnehmung (welche Attribute machen mich als Person aus?) und der Wahrnehmung eines Fachs bspw. der Philosophie (welche Attribute haben typische Philosophen?) aufweisen. In der vorliegenden Studie fanden wir, dass weibliche Schülerinnen eine höhere fehlende Passung wahrnahmen als männliche Schüler. Diese Fehlpassung zwischen Geschlecht und Fach hing mit einem geringeren Engagement und einer geringeren Absicht, weiterhin Philosophie in der Schule zu belegen oder ein Philosophiestudium aufnehmen zu wollen zusammen.

Lehrkräfte von morgen: Wie die geschlechtsspezifische Darstellung des Lehrerberufs die Berufswahl von Schülerinnen und Schülern beeinflusst
Renger, Renger, Köller & Möller (2020)

Weltweit ist ein Mangel an Lehrkräften zu beobachten, der sich besonders in einer geringen Anzahl männlicher Lehrkräfte äußert. Die bisherige Forschung hat gezeigt, dass die Berufswahl von Schülerinnen und Schülern zum Teil davon abhängt, ob ein potenzieller Beruf als passend für das eigene Geschlecht empfunden wird. Diese Assoziation könnte im Falle des Lehrerberufes und dessen Wahrnehmung als überwiegend weiblichem Beruf für männliche Schüler relevant sein. In zwei empirischen Stunden konnten wir zeigen, dass eine geschlechtsspezifische Passung des Lehrerberufes die Absicht männlicher Schüler, Lehrer zu werden, erhöhte, im Vergleich zu einer fehlenden Passung oder einer neutralen Bedingung. Diese Passung wurde entweder durch eine einfache Reflexion über männliche bzw. weibliche Lehrkräfte oder manipulierte Informationen über das Geschlechterverhältnis innerhalb des Lehrerberufs ausgelöst. Im Gegensatz dazu wurden weibliche Schülerinnen von den Manipulationen der Geschlechtspassung nicht beeinflusst. Die Implikationen für eine geschlechtsunabhängige Rekrutierung zukünftiger Lehrkräfte werden diskutiert.