Soziale Anerkennung

In meiner Forschung beschäftige ich mich mit drei Formen sozialer Anerkennung, die disziplinübergreifend als zentrale Dimensionen sozialer Kommunikation und Interaktion identifiziert wurden. Diese Differenzierung in bedürfnisbasierte Fürsorge, soziale Wertschätzung und gleichheitsbasierten Respekt ermöglicht es, Interaktionen systematisch zu analysieren und potenzielle Defizite aufzudecken. Positive Anerkennungserfahrungen sind wichtig für die Entwicklung von Selbstanerkennung (z. B. Selbstrespekt), Identität und Integrität.

Anerkennungserfahrungen wurden bisher in positiven Zusammenhang gebracht mit Selbstanerkennung, persönlicher Autonomie, Lebenszufriedenheit, Partizipation und prosozialen Einstellungen einer Person. Auch für die Gesundheit scheinen Anerkennungserfahrungen eine Rolle zu spielen. Je mehr Anerkennungserfahrungen eine Person bspw. am Arbeitsplatz erlebt, desto geringer sind die Burnoutsymptome, die eine Person berichtet. Genauere Informationen können den unten aufgelisteten Veröffentlichungen entnommen werden.

Bedürfnisbasierte Fürsorge

Als soziale Wesen sind Menschen darauf angewiesen, emotionale Zuwendung von anderen zu erhalten.

Gleichheitsbasierter Respekt

Menschen benötigen die Bestätigung durch andere als gleichwertige Person ernst genommen und auf Augenhöhe respektiert zu werden.

Soziale Wertschätzung

Für Menschen ist es wichtig, eine positive Wertschätzung ihrer Eigenschaften, Beiträge und Leistungen zu erhalten.

Ausgewählte Veröffentlichungen

Auf soziale Anerkennung kommt es an: Konsequenzen für Schulbeteiligung und Lebenszufriedenheit bei Schüler*innen mit Migrationshintergrund
David Sirlopú & Daniela Renger (2020)

Partizipation in der Gesellschaft ist entscheidend für eine Demokratie und von besonderer Bedeutung für Angehörige von Minderheiten. Trotz breiter Forschung zur Partizipation von Erwachsenen wurden die früheren prägenden Kindheitsjahre und die Beteiligung von Schüler*innen an schulischen Aktivitäten bisher vernachlässigt. Die vorliegende Studie untersuchte Antezedenzien und Konsequenzen der Beteiligung lateinamerikanischer Schüler*innen mit Migrationshintergrund an schulischen Aktivitäten in Chile. Genauer gesagt wurde getestet, ob drei Formen sozialer Anerkennungserfahrungen (d. h. bedürfnisbasierte Fürsorge, gleichheitsbasierter Respekt und leistungsbasierte soziale Wertschätzung), die sie von der chilenischen Gesellschaft erhalten haben, unterschiedliche Formen der Schulbeteiligung vorhersagen. Es wurde angenommen, dass sich eine erhöhte Schulbeteiligung auch in Lebenszufriedenheit niederschlägt. Die Ergebnisse einer Studie mit Schüler*innen mit Migrationshintergrund (N = 393; 12-20 Jahre alt; 56,7% weiblich) zeigten, dass Erfahrungen sozialer Wertschätzung eine insgesamt positive Wahrnehmung der Schulbeteiligung vorhersagten und dieser Effekt sich weiter in eine erhöhte Lebenszufriedenheit übertrug. Darüber hinaus waren Erfahrungen von Respekt mit der Beteiligung an schulischen Entscheidungen und Regeln und mit der Teilnahme an Schulveranstaltungen verbunden. Der letztgenannte Effekt übersetzte sich weiter in eine erhöhte Lebenszufriedenheit. Fürsorge spielte keine Rolle bei der Vorhersage der Schulbeteiligung, wenn für die anderen Formen der Anerkennung kontrolliert wurde. Wir diskutieren die Bedeutung sozialer Anerkennungserfahrungen und Implikationen für Interventionen in Bildungssystemen.

Berufliche Anerkennung bei der Arbeit: Die schützende Rolle von Wertschätzung, Respekt und Fürsorge für Burnout bei Mitarbeitern
Daniela Renger, Marcel Miché & Annalisa Casini (2020)

Zielsetzung: Die vorliegende Arbeit untersucht systematisch die Rolle von Anerkennungserfahrungen am Arbeitsplatz als Schutzfaktor für Burnout.

Methode: In zwei Querschnittsstudien (N = 328 und N = 220) mit Angestellten wurden mittels Online-Fragebögen drei Formen der Anerkennung (leistungsbezogene soziale Wertschätzung, gleichheitsbasierter Respekt und bedürfnisbasierte Fürsorge) durch Kolleg*innen und Vorgesetzte als Prädiktoren und Burnout bei Angestellten als Outcome gemessen.

Ergebnisse: Mittels multipler Regressionsanalysen lieferte Studie 1 erste Hinweise darauf, dass sowohl die Anerkennung durch Vorgesetzte als auch durch Mitarbeiter*innen negativ mit dem Burnout der Mitarbeiter*innen assoziiert war. Studie 2 zeigte weiter, dass, während Erfahrungen von Respekt besonders entscheidend für die Senkung der emotionalen Erschöpfung waren, Fürsorge primär mit reduzierter Depersonalisierung und Wertschätzung mit erhöhter persönlicher Leistung verbunden war.

Fazit: Wir diskutieren, wie positive Anerkennungserfahrungen in Organisationen gefördert werden können, um die negativen Auswirkungen von Burnout abzufedern.

Den eigenen Ideen eine Stimme geben: Gruppeninterner Respekt als Antezedens für selbstbehauptendes Verhalten
Daniela Renger, Alex Mommert, Sophus Renger, Marcel Miché & Bernd Simon (2019)

In dieser Untersuchung testeten wir gleichheitsbasierten Respekt von Eigengruppenmitgliedern als soziale Vorbedingung für positive Durchsetzungsfähigkeit (d. h. das Äußern der eigenen Meinung) und Gruppenleistung. Ein Vortest mit Mitarbeiter*innen am Arbeitsplatz unterstützte die Annahme, dass die interessierenden Variablen tatsächlich korreliert waren. Die experimentelle Hauptstudie bestätigte dann, dass Teilnehmer*innen, die hohen im Vergleich zu niedrigem Respekt von Eigengruppenmitgliedern erhalten hatten, in dyadischen Gruppendiskussionen ein durchsetzungsfähigeres Verhalten zeigten und eine höhere Gruppenleistung erbrachten. Im Gegensatz dazu senkte hoher im Vergleich zu niedrigem Respekt von Fremdgruppenmitgliedern das Durchsetzungsvermögen und das Leistungsniveau in Interaktionen zwischen den Gruppen. Wir diskutieren Implikationen für soziale Interaktionen und Diskurse.

Von gleichheitsbasiertem Respekt zu Umweltaktivismus: Antezedenzien und Konsequenzen globaler Identität
Daniela Renger & Gerhard Reese (2017)

Globale Identität spiegelt die soziale Identifikation mit der Welt und der größten, inklusivsten menschlichen Eigengruppe wider und wird im Allgemeinen mit Verhalten assoziiert, das der Welt und allen Menschen dient, wie z. B. transnationale Kooperation oder umweltfreundliches Engagement. Während die Konsequenzen globaler Identifikation gut belegt sind, sind die Antezedenzien der globalen Identität nur teilweise erforscht. Ausgehend von Forschungsergebnissen, die nahelegen, dass Respekt die Identifikation in kleinen Gruppen fördert, argumentieren wir, dass die allgemeine Erfahrung, von anderen als gleichwertig respektiert zu werden, die globale Identifikation erhöht. In einer Online-Studie mit 469 Deutschen (Student*innen und Nicht-Student*innen) testeten wir den Zusammenhang zwischen gleichheitsbasiertem Respekt und globaler Identifikation in einem Strukturgleichungsmodell, mit umweltdienlichen Absichten und Spendenverhalten als Ergebnisvariablen. Wie erwartet, sagte gleichheitsbasierter Respekt, nicht aber andere Formen sozialer Anerkennung (bedürfnisbasierte Fürsorge und leistungsbasierte soziale Wertschätzung), die globale Identität voraus, während eine höhere globale Identität wiederum proökologischen Aktivismus vorhersagte. Diese Effekte waren signifikant über die bekannten Prädiktoren für umweltfreundliches Verhalten hinaus und deuten darauf hin, dass gleichheitsbasierter Respekt eine wichtige Facette der Reaktionen auf globale Herausforderungen darstellt.

Eine anerkennungstheoretische Perspektive auf Autonomie: Die Rolle des gleichheitsbasierten Respekts
Daniela Renger, Sophus Renger, Marcel Miché & Bernd Simon (2017)

Inspiriert von philosophischen Überlegungen zum Zusammenhang zwischen Gleichheit und Freiheit untersuchten wir, ob Erfahrungen gleichheitsbasierten Respekts die wahrgenommene Autonomie erhöhen. Dieser Zusammenhang wurde mit allgemeinen Erfahrungen von Respekt und Autonomie, die Menschen in ihrem täglichen Leben machen (Studie 1) und mit spezifischeren Erfahrungen von Mitarbeiter*innen am Arbeitsplatz (Studie 2) getestet. In beiden Studien trug Respekt stark und unabhängig von anderen Formen sozialer Anerkennung (bedürfnisorientierte Fürsorge und leistungsorientierte soziale Wertschätzung) zur wahrgenommenen Autonomie bei und beeinflusste darüber hinaus die Lebens- bzw. Arbeitszufriedenheit. Studie 3 bestätigte experimentell den hypothetisierten kausalen Einfluss von Respekt auf die wahrgenommene Autonomie und zeigte, dass sich dieser Effekt weiter in soziale Kooperation übersetzt. Der Zusammenhang zwischen Respekt und Kooperation wurde gleichzeitig durch wahrgenommene Autonomie und übergeordnete kollektive Identifikation vermittelt. Wir diskutieren, wie der Anerkennungsansatz, der zwischen Respekt, Fürsorge und sozialer Wertschätzung unterscheidet, die Forschung zur Autonomie bereichern kann.

Medienbeiträge
  • Beitrag in bzw. interviewt durch Gehirn&Geist (Ausgabe 10/2018)
  • Beitrag in bzw. interviewt durch Fluter – Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung (Ausgabe 12/2018)
  • Beitrag im In-Mind Magazin „Respekt für Geflüchtete und von Geflüchteten: Herausforderungen eines gleich­berechtigten Miteinanders“ (Renger & Eschert)