Selbstrespekt

Selbstrespekt beschreibt die Überzeugung, eine gleichberechtigte Person zu sein und die gleichen Rechte wie andere zu besitzen.

Meine Forschung untersucht, wie Selbstrespekt entsteht und welche Rolle er für individuelles Wohlbefinden, gesellschaftliche Teilhabe und politisches Verhalten spielt.

Forschungsfragen

  • Wie entsteht Selbstrespekt in sozialen Beziehungen?
  • Welche Rolle spielen Anerkennungserfahrungen für Selbstrespekt?
  • Wie beeinflusst Selbstrespekt politisches Verhalten und gesellschaftliche Teilhabe?
  • Welche Zusammenhänge bestehen zwischen Selbstrespekt und psychischer Gesundheit?
© iStock.com/MicroStockHub

Forschungsprojekt

Meine Forschung zu Selbstrespekt wurde von 2021 bis 2025 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert (Projekt „Verinnerlichte Gleichberechtigung: Antezedenzien und Konsequenzen von Selbstrespekt“):

https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/458753025

Medienbeiträge:

  • Interviewt zu Selbstrespekt für die Radiosendung radioWissen von Bayern 2 (Ausstrahlung  02/24)
  • Interviewt zum Thema Selbstrespekt und Toleranz für einen Artikel zu Toleranz in der FAZ (https://www.faz.net/aktuell/wissen/gesellschaft-19442210.html) (01/2024)
  • Radiointerview mit mir zu Selbstrespekt in der Magazinsendung der Radiowelle hr1 zum Oberthema „Respekt“ (06/2022)
  • Beitrag in bzw. interviewt durch Psychologie heute (Ausgabe 09/2020)
  • Beitrag in bzw. interviewt durch Psychologie heute (Ausgabe 09/2018)

Ausgewählte Publikationen

Wie Selbstrespekt entsteht: Längsschnittliche und experimentelle Befunde zum Einfluss von Respekterfahrungen

Renger, Krys & Martiny (2026)

Selbstrespekt – also die Überzeugung, über die gleichen grundlegenden Rechte wie andere Menschen zu verfügen – ist ein zentraler Bestandteil psychischen Wohlbefindens und sozialen Funktionierens. Bislang ist jedoch wenig darüber bekannt, wie sich Selbstrespekt entwickelt. In dieser Arbeit untersuchen wir Respekterfahrungen als mögliche Voraussetzung und als Prädiktor von Selbstrespekt. Unsere Hypothese fand Unterstützung sowohl in einer Längsschnittstudie (N = 983) als auch in einem Experiment (N = 447). Darüber hinaus fanden wir Hinweise auf eine umgekehrte Wirkungsrichtung: Ein höherer Selbstrespekt ging ebenfalls mit mehr Respekterfahrungen einher. Zudem zeigen unsere Ergebnisse, dass Respekterfahrungen insbesondere während der Jugend eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Selbstrespekt spielen könnten. Abschließend diskutieren wir, wie Respekterfahrungen in gesellschaftlichen Kontexten gezielt gefördert werden können, um die Entwicklung von Selbstrespekt zu unterstützen.

Selbstrespekt sagt Toleranz gegenüber Andersdenkenden vorher

Renger, D. & Passini, S. (2025)

Bisherige Forschungen zum Thema Toleranz haben sich häufig auf die Toleranz gegenüber bestimmten politischen oder sozialen Gruppen konzentriert. In der vorliegenden Studie stellen wir ein allgemeines Maß für Toleranz vor, das tolerante Einstellungen gegenüber Andersdenkenden erfasst und in einer Vielzahl von Kontexten eingesetzt werden kann. Darüber hinaus haben wir untersucht, welchen Personen es leichter fällt, eine tolerante Haltung einzunehmen, und verschiedene Berechtigungsempfindungen (die Wahrnehmung, die gleichen (=Selbstrespekt), mehr oder weniger Rechte als andere zu haben) als Prädiktoren verglichen. Studie 1 (N = 308) mit einem Querschnittsdesign ergab, dass Selbstrespekt über andere Berechtigungsempfindungen (mehr oder weniger Rechte zu haben) hinaus positiv mit einer toleranten Haltung assoziiert war. In Studie 2 (N = 642) haben wir unter Verwendung eines längsschnittlichen Forschungsdesigns gezeigt, dass Selbstrespekt eine tolerante Haltung sechs Monate später vorhersagte. Überraschenderweise sagte eine tolerante Haltung gegenüber Andersdenkenden auch den Selbstrespekt (d. h. die Wahrnehmung, anderen gleichberechtigt zu sein) voraus. Wir diskutieren das Potenzial der Förderung von Selbstrespekt für Individuen und Gesellschaften, in denen sich Selbstrespekt und tolerante Einstellungen gegenseitig verstärken könnten.

Drei Formen von Selbstanerkennung: eine theoretische Betrachtung

Renger, D. & Renger, S. (2025)

Was Menschen (und Forschende) meinen, wenn sie über Selbstanerkennung oder Selbstwertgefühl sprechen, kann sehr unterschiedlich sein. Es ist nicht klar, was genau einer Person fehlt, die von einem Mangel an Selbstwertgefühl berichtet. Um die wesentlichen Dimensionen zu identifizieren, die bei der Betrachtung der menschlichen Selbsteinschätzung unterschieden werden sollten, analysieren wir zunächst Theorien aus der Psychologie und Philosophie, um die soziale Grundlage, d. h. die relevanten Dimensionen sozialer Informationen, die im sozialen Austausch vermittelt werden, zu identifizieren. Auf der Grundlage von drei konvergierenden zentralen Dimensionen (Informationen darüber, von anderen gemocht zu werden, positiv bewertet zu werden und als gleichwertig angesehen zu werden) schlagen wir dann vor, drei entsprechende Formen der Selbstanerkennung zu unterscheiden, nämlich Selbstliebe, Selbstwertschätzung und auf Gleichwertigkeit basierender Selbstresepkt. Während Selbstliebe und Selbstwertschätzung (sowohl kompetenz- als auch charakterbasierte Konzepte) bereits erforscht wurden, wurde Selbstrespekt, definiert als der Glaube einer Person, die gleichen Rechte wie andere zu besitzen, in der psychologischen Forschung vernachlässigt. Wir skizzieren die unterschiedlichen Entstehungsmechanismen und Konsequenzen dieser drei Dimensionen und diskutieren die Vor- und Nachteile eines dreiteiligen Ansatzes im Vergleich zu ein- und zweidimensionalen Ansätzen, seine interkulturelle Anwendbarkeit und das Potenzial für zukünftige Forschung und Interventionen.

Körperliche und geistige Einschränkungen beeinflussen Respekterfahrungen und Selbstrespekt

Martiny, S. E., Josten, J., & Renger, D. (2024)

Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen können in der Öffentlichkeit stigmatisiert werden. Im privaten Bereich ist dies aufgrund individueller Informationen weniger verbreitet. Wir argumentieren, dass Einschränkungen die alltäglichen Möglichkeiten von Menschen verringern, in der Öffentlichkeit grundlegende Erfahrungen von gleichwertigkeitsbasiertem Respekt zu machen, und es ihnen somit erschweren, ein hohes und sicheres Maß an Selbstrespekt zu entwickeln (d. h. sich selbst als jemanden zu sehen, der die gleichen Rechte wie andere hat). Diese Hypothesen wurden in einer Querschnittsstudie in Norwegen getestet. In Übereinstimmung mit unseren Hypothesen stellten wir fest, dass Menschen ohne geistige oder körperliche Einschränkungen ein höheres Maß an Selbstrespekt hatten als Menschen mit geistigen oder körperlichen Einschränkungen. Darüber hinaus zeigten die Ergebnisse, dass die Respekterfahrungen je nach Bereich unterschiedlich waren. Während sich Menschen mit und ohne Einschränkungen in ihren Respekterfahrungen im privaten Bereich nicht signifikant unterschieden, gab es signifikante Unterschiede in ihren Respekterfahrungen im öffentlichen Bereich. Darüber hinaus vermittelten die Respekterfahrungen im öffentlichen Bereich die Beziehung zwischen Einschränkungen und Selbstrespekt. Die Implikationen der Ergebnisse werden im Hinblick auf die Bedeutung der Entwicklung eines hohen und sicheren Maßes an Selbstrespekt und im Hinblick darauf diskutiert, wie Respekterfahrungen im öffentlichen Bereich für alle sichergestellt werden können.

Selbstrespekt und Verantwortung: Wie individuelle Berechtigungsüberzeugungen und ihr Zusammenhang mit der Berücksichtigung der Rechte anderer verstanden werden können
Renger & Passini (2024)

Menschen haben ein unterschiedliches Verständnis von den (bürgerlichen) Rechten, mit denen sie in modernen Gesellschaften ausgestattet sind. Während die Wahrnehmung, mehr Rechte als andere zu haben, mit überindividualistischen Einstellungen und negativem zwischenmenschlichem Verhalten in Verbindung gebracht wird, kann davon ausgegangen werden, dass die Wahrnehmung, die gleichen Rechte wie andere zu haben (d. h. hoher Selbstrespekt), ein Gleichgewicht zwischen der Berücksichtigung eigener und der Rechte anderer erleichtert. In zwei Querschnittsstudien haben wir gezeigt, dass Selbstrespekt mit einer unterstützenden Einstellung von Menschenrechten und mit der Berücksichtigung der Rechte zukünftiger Generationen zusammenhängt, selbst wenn man andere Berechtigungsüberzeugungen kontrolliert. Die Ergebnisse zeigten auch, dass das Gefühl der sozialen Verantwortung diese Zusammenhänge vermittelt. Die weiterreichenden Konsequenzen für das Gleichgewicht zwischen Rechten und Pflichten zur Erreichung sozialer Harmonie werden diskutiert.

Warum der Glaube an die eigene Gleichberechtigung wichtig ist: Selbstrespekt, depressive Symptome und Selbstmordgedanken in westlichen und nicht-westlichen Ländern
Renger et al. (2023)

In der vorliegenden Studie wurde der Zusammenhang zwischen Selbstrespekt (d. h. der Überzeugung einer Person, die gleichen Rechte wie andere zu besitzen) und depressiven Symptomen untersucht. In sieben Ländern (N = 2408, u.a. Iran, Südkorea, Spanien) wurde festgestellt, dass Selbstrespekt und depressive Symptome negativ korreliert waren. Darüber hinaus fanden wir Hinweise auf einen indirekten Zusammenhang über den Selbstrespekt sowie negative Korrelationen mit Suizidgedanken in Ländern mit verfügbaren Messwerten. Schließlich bestätigten Meta-Analysen innerhalb des Manuskripts den Hauptpfad zwischen Selbstrespekt und depressiven Symptomen in allen sieben Ländern. Diese Untersuchung liefert den ersten Beleg für den negativen Zusammenhang zwischen Selbsrespekt (das Gefühl, anderen gleichberechtigt zu sein) und depressiven Symptomen und zeigt neue Wege auf, wie das Selbstbild mit psychischer Gesundheit in Verbindung gebracht werden kann.

Sozioökonomischer Status und Selbstanerkennung: Einkommen sagt Selbstrespekt über die Zeit hinweg voraus
Renger et al. (2024)

Frühere Forschungen haben gezeigt, dass der sozioökonomische Status (z. B. Einkommen oder Bildung) mit der Selbstanerkennung von Menschen, z. B. dem globalen Selbstwertgefühl, zusammenhängt. In der vorliegenden Untersuchung argumentieren wir, dass der sozioökonomische Status auch die Überzeugung von Menschen beeinflusst, die gleichen grundlegenden Rechte wie andere zu besitzen (d. h. Selbstrespekt). In einer Querschnittstudie (N = 298) und einer Längsschnittstudie (N = 379) untersuchten wir die Beziehungen zwischen Einkommen und Bildung und drei Formen der Selbstanerkennung. Das einzige konsistente Ergebnis war, dass das Einkommen über die Zeit hinweg mit dem Selbstrespekt zusammenhängt, selbst wenn man für Selbstliebe und Selbstwertgefühl, die zentralen und gut untersuchten Komponenten des globalen Selbstwertgefühls, kontrolliert. Wir diskutieren die Bedeutung unserer Ergebnisse im Hinblick auf soziale Gerechtigkeit und Demokratie.

Verinnerlichte Gleichberechtigung und Protest gegen Ungerechtigkeit: Die Rolle des Selbstrespekts benachteiligter Gruppenmitglieder für kollektive Protestintentionen
Renger et al. (2020)

Neuere Forschungen zeigen, dass Selbstrespekt (definiert als Fähigkeit sich selbst als eine Person mit gleichen Rechten zu sehen) durchsetzungsfähige, aber nicht aggressive Reaktionen auf Ungerechtigkeit in zwischenmenschlichen Kontexten vorhersagt. Die vorliegende Untersuchung konzentriert sich auf die Entstehung von Selbstrespekt und seine Konsequenzen für kollektive Handlungs- und Protestintentionen bei Mitgliedern benachteiligter Gruppen. In drei Studien (N = 227, N = 454, N = 131) durchgeführt in unterschiedlichen Kontexten und mit unterschiedlichen Stichproben (Diskriminierung von Muslimen in Deutschland; Frauen in Bezug auf Geschlechterungleichheit) sagten Erfahrungen von gleichheitsbasiertem Respekt Selbstrespekt voraus. Darüber hinaus sagte Selbstrespekt in allen drei Studien Absichten für kooperativen oder normativen, nicht aber für feindlichen oder nicht-normativen Protest voraus. Die Ergebnisse zeigen, dass Selbstrespekt das Potenzial besitzt, kollektives Handeln im Angesicht von Ungerechtigkeit zu erleichtern und gleichzeitig positive Beziehungen zwischen den Gruppen zu ermöglichen.

Der Glaube an die eigene Gleichberechtigung: Selbstrespekt als Prädiktor für Selbstbehauptung
Renger (2018)

In der vorliegenden Untersuchung wird Selbstrespekt als die Fähigkeit einer Person definiert, sich selbst als jemanden zu sehen, der die gleichen Grundrechte und die gleiche Würde wie andere hat. Selbstrespekt füllt eine Lücke in der bisherigen Theoriebildung über das Selbst, da er im Gegensatz zu anderen Selbstkonzepten mit Durchsetzungsvermögen und Anspruchsdenken verknüpft werden kann. Selbstrespekt wurde empirisch von Selbstkompetenz und Selbstvertrauen (Studie 1) sowie von psychologischem Anspruchsdenken, globalem Selbstwertgefühl und Selbstakzeptanz (Studie 2) abgegrenzt. Selbstrespekt sagte in zwei korrelativen Studien (Studie 1 und 3) und einem Experiment (Studie 2) durchsetzungsfähige Reaktionen vorher. Wie vorhergesagt, war Selbstrespekt nicht mit aggressiven Reaktionen verbunden, im Gegensatz zu psychologischem Anspruchsdenken (Studien 2 und 3). Es werden Implikationen für die zukünftige Forschung diskutiert.